Mittwoch, 24. Mai 2017

Rezension zu "Die Badende von Moritzburg" Eine Sommernovelle von Ralf Günther

Inhalt:

Eine Novelle wie ein flirrender Sommertag: Über eine unvergessliche Begegnung mit dem Maler Ernst Ludwig Kirchner und dem Künstlerkreis «Die Brücke».

1910. Die junge Clara Schimmelpfenninck wird wegen hysterischer Atemnot ins Dresdner Lahmann-Sanatorium auf dem "Weißen Hirschen" geschickt. Nach sechs Wochen ist sie symptomfrei, aber zu Tode gelangweilt. Da wird sie zu einem Ausflug ins nahe Moritzburg eingeladen.
Im Sommerkleid streift sie durch die herrliche Schilflandschaft. Prompt wird sie von einem Mann mit fein geschnittenem Gesicht und energischer Stimme angesprochen. Ob sie sich nicht zu ihm, Kirchner, und seinen Freunden gesellen möge. Die Männer und Frauen picknicken dort, trinken Wein und arbeiten an ihren Staffeleien – in einer Art und Weise, wie Clara es noch nie erlebt hat. Und so verbringt sie einen unvergesslichen Sommertag in der Künstlerkolonie "Die Brücke".

Autor:
Ralf Günther, 1967 in Köln geboren, studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft. Er ist Schriftsteller und Drehbuchautor, entwickelte Serien für das ZDF und den KiKA und schrieb viele erfolgreiche historische Romane, darunter den Bestseller «Der Leibarzt» (Heyne 2001). Bei rororo sind die unterhaltenden Weihnachtstitel «Ach du fröhliche» (2011) und «Jesusmariaundjosef!» (2013) erschienen, bei Kindler «Das Weihnachtsmarktwunder» (2014). Der Autor lebt bei Dresden..


Gebundene Ausgabe: 112 Seiten
Verlag: Kindler; Auflage: 1 (19. Mai 2017) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3463406861 
ISBN-13: 978-346340686
 zu kaufen : http://amzn.to/2qbKqqY 

Meine Einschätzung:

Dieses Büchlein ist für mich ein Schatz der gegenwärtigen deutschen Literatur und verzaubert seinen Leser. Der Autor beschreibt die Geschichte der jungen Clara so bildhaft, dass man glaubt unmittelbar bei ihren Erlebnissen in der Kur und ihrem Ausflug nach Moritzburg dabei zu sein. Außerdem ist die Sprache dieser Novelle so poetisch, einfach nur schön...ich habe es bedauert, dass es nur 112 Seiten sind, denn es ist ein purer Genuss diese Geschichte zu lesen. Die junge Clara, die nach dem Tode ihrer Mutter, deren Stelle in der Familie eingenommen hat und versucht alle Wünsche ihres strengen Vaters zu erfüllen, leidet plötzlich unter Anfällen von Atemnot, ohne dass organische Gründe gefunden werden können. In einem Dresdner Kurheim soll sie sich nun einige Wochen erholen. Das Büchlein gibt u.a. einen Einblick in den Kurbetrieb der damaligen Zeit, mit dem Hauptinhalt Licht, Luft und Rohkost - und lockte mir beim Lesen oft ein Lächeln hervor...Alles musste streng sittsam zu gehen...So wie auch die damalige Mode - die für die Damen noch das Tragen des Korsetts vorschrieb, auch in der heißen Sommerzeit. Die Begegnung mit einem neuen jungen Arzt in der Kurklinik, befreit Clara von dem wochenlangen langweiligen Einerlei der Kurmaßnahmen und führt sie in eine neue Welt, denn bei einem Ausflug nach Moritzburg begegnen ihr Mitglieder der Künstlerkolonie "Die Brücke". Es ist die Zeit der Aussteiger aus der bürgerlichen konservativen Enge des Lebens- hin zur Natur und zu einem alternativen Leben. Dieser Sommertag wird der jungen Clara, aus gutbürgerlichen Haus, immer im Gedächtnis bleiben, denn er hat für sie einige prickelnde Erlebnisse parat. Ob es ihr gelingt, ihre alten Fesseln der bürgerlichen Erziehung abzustreifen und ob dieser junge Arzt ihr bei der Suche nach der Ursache ihres gesundheitlichen Problems helfen kann, erfährt der Leser in dieser zarten poetischen Novelle. Einige schöne Lesestunden sind gewiss- ich kann das Büchlein jedem Literaturfreund nur empfehlen.


Sonntag, 14. Mai 2017

Rezension zu "Autsch! Geschichten aus der Praxis" von Katharina Dölling





Inhalt:
AUTSCH, das tut weh!
Wenn Sie einen gebrochenen Finger haben, meinen Sie, der würde so ohne weiteres korrekt geschient und problemlos wiederhergestellt? Wenn Sie über zwei schmerzhafte Gelenke verfügen, denken Sie, der Orthopäde würde sich innerhalb eines Behandlungsquartals beide ansehen? Wenn Sie einen eingewachsenen Nagel haben, glauben Sie, er sei unter drei Vollnarkosen zu beheben? Dann, ja, dann sind Sie entweder dauergesund, naiv oder Privatpatient.
Die Autorin Katharina Dölling zeigt in siebzehn Geschichten aus der Praxis, welche skurrilen bis menschenverachtenden Kuriositäten einem Patienten widerfahren können. Wahre Begebenheiten, realsatirisch aufbereitet. Man kann die Erzählungen als nette, witzige Kurzgeschichten oder als Zeitkritik am Gesundheitswesen lesen, das sich in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert hat.
Was läuft falsch? Auswüchse von Raffgier und Apparatemedizin. Darüber hinaus fehlende Patienten-Kommunikation, das Ende des Hippokratischen Eides und das Desinteresse am Patienten generell. Dies lässt sich derzeit leider häufiger finden als die Qualitäten eines Arztes, wie wir ihn uns vorstellen und wünschen: weniger Geschäftsmann und mehr Heiler.Einfach ein qualifizierter, empathischer und patientenorientierter Arzt.

Taschenbuch: 210 Seiten 
Verlag: Burg Verlag; Auflage: 1., Erstausgabe (20. April 2017) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3944370597 
ISBN-13: 978-3944370590
zu kaufen: http://amzn.to/2qgMNaB

Meine Einschätzung

Kurzweilig erzählt die Autorin über ihre Erfahrungen mit Ärzten der verschiedenen medizinischen Richtungen. Ich habe dieses Buch mit einem lachenden und weinenden Auge gelesen. Obwohl viele Situationen sicher jeder schon selbst erlebt hat, ist es einfach unglaublich, welchen Schwierigkeiten sich ein Patient in unserem Gesundheitssystem gegenüber sieht. Die Autorin leidet selbst an einer seltenen chronischen Krankheit und schildert in teils sehr witzigen Kurzgeschichten ihre Suche - besonders auch in akuten Situationen- nach einem Arzt, für sich oder ihre Tochter. Dabei passieren Situationen, die jeder von uns sicher schon erlebt hat - Suche nach einem Facharzttermin...stundenlanges Warten beim Arzt, um dann nach 5 min wieder aus dem Sprechzimmer entlassen zu werden,  falsche Behandlung in der Notaufnahme, Angebote von IGEL - Leistungen, um das ärztliche Budget zu schonen. Aber bei allem lustigen Schilderungen stellt die Autorin auch die Frage - wie soll es im Gesundheitssystem weiter gehen? Wieso spielt immer mehr die Wirtschaftlichkeit bei der ärztlichen Behandlung eine größere Rolle, als die schnelle und richtige medizinische Hilfe? Spielt für die Ärzte der Hippokratische Eid kaum noch eine Rolle? Was macht man als chronisch Kranker, wenn die Diagnostik, die den Ärzten ja Geld einbringt, zwar durchgeführt wird, aber die daraus sich ergebende notwendige Behandlung aus Budgetgründen abgelehnt wird.
Die Autorin stellt auch Ärzte vor, die ihren Beruf als Berufung verstehen- leider dauert es aber oft Monate oder Jahre bis ein chronisch Kranker solche Mediziner findet...
Sehr gut gefällt mir, dass die Autorin uns Lesern an ihren Gedanken teilhaben lässt und zeigt, wie wichtig es für einen Kranken ist, seinen Optimismus nicht zu verlieren und in den Ärzten nicht die Götter in Weiß zu sehen. Jeder von uns sollte ein Mitspracherecht in seiner Behandlung einforden.
Ich hoffe, dass dieses Buch viele interessierte Leser findet. Es ist sehr unterhaltsam, amüsant und ruft aber auch auf, endlich etwas im Gesundheitssystem zu ändern. Denn es sollte nicht die Wirtschaftlichkeit immer mehr bei der ärztlichen Behandlung im Vordergrund stehen,  sondern der kranke Mensch, der Hilfe braucht. Gesundheit ist das höchste Gut eines Menschen und die gilt es zu bewahren oder wieder herzustellen- ohne Rücksicht auf materiellen Gewinn. Vielleicht helfen diese Geschichten mit, dass mancher Arzt einen Denkanstoß bekommt, sein Verhalten zu den Patienten zu ändern und sich gegen die Zwänge, die ihm zu oft das Gesundheitssystem in unserem Land auferlegt zu wehren. Ich empfehle das Buch sehr gern weiter und hoffe,es ist ein kleiner Anstoß, endlich etwas in unserem Gesundheitssystem zugunsten aller Patienten zu ändern.

Freitag, 12. Mai 2017

Rezension zu " Zwei Sekunden" von Christian v. Ditfurth

Inhalt:
Terroranschlag beim Staatsbesuch in Berlin. Nur um zwei Sekunden verpasst die Bombe die deutsche Bundeskanzlerin und den russischen Präsidenten. Die Russen behaupten, dass tschetschenische Terroristen hinter dem Anschlag stecken – doch eine Bekennerbotschaft gibt es nicht. Verfassungsschutz, Bundeskriminalamt und Berliner Polizei tappen im Dunkeln. Öffentlichkeit und Politik fordern Ergebnisse. Der Druck wächst. Widerwillig akzeptiert das BKA, dass Hauptkommissar Eugen de Bodt eigene Ermittlungen anstellt. Vor allem in höheren Polizeikreisen ist de Bodt unbeliebt bis verhasst. Doch will sich niemand nachsagen lassen, nicht alles unternommen zu haben. De Bodt und seine Mitarbeiter suchen verzweifelt eine Spur zu den Tätern. Aber erst, als er alle Gewissheiten in Frage stellt, bekommt de Bodt eine Idee, wer die Drahtzieher sein könnten. Doch um sie zu entlarven, muss er mehr einsetzen, als ihm lieb ist: das eigene Leben.

Zwei Sekunden, Kommissar de Bodts zweiter Fall, ist ein sehr heutiger Thriller über Terror und Staatsräson.

Autor:
Als Journalist publizierte Ditfurth unter anderem Artikel im Spiegel. Nach der Veröffentlichung einer Reihe von Sachbüchern tritt er seit 1999 auch als Autor von Kriminal- und Alternativromanen in Erscheinung. Seine Vorliebe für Rockmusik der 1970er hinterließ in seinen Büchern ebenso viele Spuren wie sein Lokalpatriotismus. In seinem ersten Kreuzberg-Roman, dem Dornröschen-Projekt, sind alle Kapitelüberschriften Songtitel von The Who. Der Stellenwert der Menschenrechte in seiner Weltanschauung zeigt sich unter anderem in seiner Mitgliedschaft bei Amnesty International.(Wikipedia)

Broschiert: 464 Seiten 
Verlag: carl's books (8. August 2016) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3570585670 
ISBN-13: 978-3570585672
zu kaufen : http://amzn.to/2ptd0E7

Mein Einschätzung

Zwei Sekunden entscheiden oft über Leben und Tod...Mich hat dieser Thriller von Anfang an in seinen Bann gezogen. Das Thema ist hochaktuell und man spürt mein Lesen schon Gänsehaut...Sehr bildhaft wird die fast aussichtslose Situation der an der Ermittlung beteiligten Personen den Täter zu finden, beschrieben. Auch das Motiv des Anschlags liegt ist für die Ermittler ein Rätsel. Als dann auch noch scheinbar unbeteiligte Personen ermordet werden- steht man einer Mordserie gegenüber, dessen Sinn im Dunkeln zu liegen scheint. Es gilt alles wie in einem Puzzle zusammenzusetzen, um an die oder den Täter heranzukommen. Sehr gut haben mir die verschiedenen Erzählerstränge gefallen- auf der einen Seite die deutschen und russischen Komissare, die sich um Aufklärung bemühen, auf der anderen Seite die Täter und ein weiterer Erzählstrang zeigt die Verzweiflung des von den Tätern zur Mitarbeit gezwungenen Mannes, dessen Ehefrau und Kinder entführt wurden. Auch die persönlichen Charaktere der in der Fahndung hauptsächlich beteiligten Personen sind super. Ihre Angst um ihre eigene Familie, die ja durch die Täter jederzeit bedroht werden kann, wenn sich die Schlinge um sie immer mehr zu zieht.... Die Zweifel an der Richtigkeit der von den Vorgesetzten befohlenen Vorgehensweisen in der Fahndung und die gegenseitige Hilfe, trotz Lebensgefahr sind sehr beeindruckend geschildert.
Ich kann dieses Buch nur allen Liebhabern von spannenden Krimis empfehlen und würde mich auch sehr darüber freuen, wenn daraus ein Film entstehen würde.
 

Dienstag, 25. April 2017

Rezension zu "Heute leben wir" von Emmanuelle Pirotte

Inhalt :

EIN SS-OFFIZIER RETTET JÜDISCHES MÄDCHEN: Renée ist 6 oder 7, ganz genau weiß sie es nicht. Als elternloses jüdisches Mädchen wird sie im letzten Kriegswinter vor den Deutschen versteckt – bei den Nonnen, dem Pfarrer, den Bauern in den Ardennen. Bis sie dem SS-Offizier Matthias in die Hände fällt. Er verschwindet mit ihr im Wald, um sie zu erschießen, aber plötzlich nimmt alles einen ganz anderen Lauf. Dieses Mädchen mit den dunklen Augen wird Matthias Leben für immer verändern.

Autorin:

›Heute leben wir‹ ist der erste Roman von Emmanuelle Pirotte und war ein großer Publikumserfolg in Frankreich, außerdem wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Die Autorin wurde von der Geschichte ihrer Großeltern, die im Zweiten Weltkrieg ein jüdisches Kind versteckten, inspiriert. ›Heute leben wir‹ wird verfilmt, die Dreharbeiten beginnen Anfang 2017. Emmanuelle Pirotte lebt in einem belgischen Dorf.  

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten 
Verlag: S. FISCHER; Auflage: 1 (23. März 2017) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3103972113 
ISBN-13: 978-3103972115

zu kaufen: http://amzn.to/2q2SyJC

Meine Einschätzung

Es ist Kriegswinter 1944 - die Deutschen haben die Ardennen besetzt und die Amerikaner sind auf dem Vormarsch. Eigentlich ist der Krieg für die Deutschen verloren, aber immer noch ziehen sie mordend durch Belgien ...Seit Kriegsbeginn ist Renee die kleine Jüdin auf der Flucht vor den Deutschen. Sie wird sowohl von Nonnen, aber auch von Bauern vor den Deutschen versteckt...Doch es gibt keinen Ort, wo sie sich sicher fühlen kann. In den Jahren der Flucht hat sie ihre Eltern verloren und auch viele neugewonnene Freunde sind Opfer der SS geworden. Doch das kleine Mädchen lässt sich seinen Lebensmut nicht nehmen und lernt schnell, wo Gefahren lauern und wie sie sich benehmen muss, um den Deutschen zu entkommen...Alles scheint  einigermaßen gut zu gehen in dem letzten Kriegswinter, bis die Deutschen das Mädchen in ihrem Versteck bei einem Pfarrer fast entdecken...Dem Pfarrer gelingt mit dem Mädchen in letzter Minute die Flucht, auf einer Landstraße stoppt er zwei Amerikaner in ihrem Jeep und fleht sie an, das Mädchen vor den Deutschen zu retten.
Sie fahren mit dem Mädchen davon...doch dieses hört auf einmal, dass beide sich auf deutsch unterhalten...Nun ahnt sie, dass ihr Ende naht...Sie wird von beiden zum Erschießen in den Wald geführt...Ab hier beginnt eine atemberaubende Geschichte, die mich so gefesselt hat und sicher auch nie wieder loslassen wird. Der SS- Offizier Matthias, ausgebildet für ein Spezialeinsatzkommando, bei dem SS Leute in amerikanischen Uniformen mordend ohne Skrupel hinter der Frontlinie Anschläge verüben, der Juden ohne zu Zögern umbrachte und den Transport in die Gaskammern kontrollierte, entdeckt in sich einen Rest Menschlichkeit und versucht das kleine jüdische Mädchen zu retten.
Eine Geschichte in dieser Art, habe ich noch nie gelesen. Auf der einen Seite das kleine jüdische Mädchen, das viel zu schnell erwachsen werden musste, sich aber nicht ihrer Opferrolle hingibt, sondern dem SS-Offizier,der ein kalter Mörder ist, ihren starken Charakter und damit ihre starke Menschenliebe entgegenstellt und damit auch seine Aufmerksamkeit gewinnt. Warum er so handelt und das Mädchen retten will, ist ihm selbst nicht klar. Matthias selber tötet nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil er freiwillig einen Vertrag mit der SS eingegangen ist. Dadurch kann er seinen Egoismus ausleben und sich über andere erheben, als ausgebildeter Kämpfer - diese Rolle erfüllt ihn. Auch seine Vergangenheit, die im indianischen Leben einen Ursprung hat, wird von der Autorin sehr bildhaft erzählt.
Der Roman zeigt, was Kriege aus Menschen machen können, wie grausam Kriege sind und der Spannungsbogen innerhalb der Geschichte ist manchmal kaum auszuhalten...
Er zeigt aber auch die Kraft und Stärke, die Menschlichkeit und Liebe hervorbringt auch unter grausamsten Zuständen.
Diese Geschichte schrieb die Autorin unter dem Eindruck persönlicher Erlebnisse ihrer Großeltern, die über zwei Jahre einen jüdischen Jungen versteckten. Auch erfuhr sie über Bekannte von der damaligen  Operation Greif, bei der sich die deutschen Soldaten als Amerikaner verkleideten. Danach rechechierte sie genau und nahm es als Grundlage für ihren Roman.
Für mich gab es in diesem Roman auch historisch einiges Neues über die damaligen Ereignisse zu erfahren.
Ich kann diesen Roman nur jedem Leser empfehlen - er ist Mahnung, die Schrecken des Krieges nie vergessen zu lassen.
Ich bin auch schon gespannt auf die Verfilmung dieses Romans in diesem Jahr.

Mittwoch, 12. April 2017

Rezension zu " Zwei Schwestern- Eine Geschichte aus unruhiger Zeit" von Petra Oelker

Inhalt :

Martin Luther hat zur Reformation aufgerufen, die Hamburger sind ihm gefolgt - eine neue Zeit bricht an. Das gilt auch für Reimare Hogenstraat: Sie war Nonne, jetzt ist sie nur noch eine Jungfer ohne den Schutz des Ordens, ohne den vertrauten Halt ihrer Gemeinschaft, ohne das Reglement des alten Glaubens. All ihrer Aufgaben beraubt, muss sie ihr Leben neu ordnen, einen neuen Sinn finden. Ist eine Heirat die Lösung?
Die wohlhabende Witwe Anna Bünnfeld unterstützt ihre jüngere Schwester nach Kräften. Auch sie sucht ihren Weg in dieser unsicheren Zeit. Ein Testament muss geschrieben, ihr Vermögen neu geordnet werden - gilt es, selbst darin neuen Werten zu folgen?
Beide Schwestern stehen vor der Entscheidung ihres Lebens ...

Autorin:
Petra Oelker, geboren 1947, arbeitete als Journalistin und Autorin von Sachbüchern und Biographien. Mit «Tod am Zollhaus» schrieb sie den ersten ihrer erfolgreichen historischen Kriminalromane um die Komödiantin Rosina, neun weitere folgten. Zu ihren in der Gegenwart angesiedelten Romanen gehören «Der Klosterwald» «Die kleine Madonna» und «Tod auf dem Jakobsweg». Zuletzt begeisterte sie mit «Emmas Reise», einer Road Novel in der Zeit nach dem 30jährigen Krieg.


Gebundene Ausgabe: 176 Seiten 
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag; Auflage: 1 (24. März 2017) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3499290456 ISBN-13: 978-3499290459
zu kaufen:  http://amzn.to/2p8Nhge

Mein Eindruck:

Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasses. Der berühmte Thesenanschlag Luthers an die Tür der Wittenberger Schlosskirche bildete den Auftakt zur Reformation, einem der zentralen Ereignisse der europäischen Geschichte. Seine religiösen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Auswirkungen erlangten weltgeschichtliche Bedeutung. Die Reformation förderte die Entwicklung eines Menschenbildes, das auf einem neuen christlichen Freiheitsbegriff beruhte. 
Am 31. Oktober 2017 jährt sich der Thesenanschlag zum 500. Mal. Zu diesem Jubiläum leistet die Autorin mit ihrer Geschichte der ungleichen Schwestern Reimare und Anna einen wichtigen Beitrag. Sie macht den Leser mit einigen geschichtlichen Hintergründen der damaligen Zeit vertraut und mit der Umwälzung des gesellschaftlichen Lebens in einer Zeit des Aufbruchs und Wiederfindens.
In einer Zeit, in der die Frau nur im Kloster oder als Ehefrau unter Schutz stand, ist es nicht einfach für Reimare, als ehemalige Nonne nach der Zerstörung ihres Klosters, einen neuen Lebensinhalt zu finden. Sie bemüht sich sehr um die Kranken im Hospital. Ihre Schwester -eine reiche Witwe, bemüht sich auch, sie zu untersützen, doch auch sie muss sich mit den neuen Anschauungen erst anfreunden.
Im Roman werden einige historische Ereignisse im damaligen Hamburg umrissen - die Wandlung von einer katholischen Stadt zu einer lutheranischen. Auch in das damalige Alltagsleben gibt dieses Buch einen guten Einblick. Das Testament einer Ratsherrenwitwe aus dem Jahr 1535 im Hamburger Staatsarchiv gab der Autorin die Idee zu dieser Geschichte, die einfach für jeden interessant ist, der mehr über die geschichtlichen Hintergründen der Zeit der Reformation wissen möchte. Das Büchlein kann natürlich nicht umfassend Fragen zu der damaligen Zeit beantworten, sollte aber Anregung geben, sich im diesjährigen Lutherjahr intensiver mit den damaligen Geschehnissen zu beschäftigen. Ich habe es mit Interesse gelesen, auch wenn mich die Erzählweise der Autorin nicht ganz mitgerissen hat. Mir fehlte einfach ein emotionaler Tiefgang....

Rezension zu "Die verbotene Zeit" von Claire Winter

Inhalt :
London 1975: Nach einem schweren Autounfall sind Carlas Erinnerungen wie ausgelöscht, und sie setzt alles daran, die verlorene Zeit zu rekonstruieren. Der Journalist David Grant behauptet, sie sei auf der Suche nach ihrer Schwester gewesen, die vor sechzehn Jahren spurlos an der Küste von Cornwall verschwand. Doch kann sie ihm vertrauen? Und was verbergen ihre Eltern vor ihr? Die Wahrheit führt Carla weit zurück in die Vergangenheit, in das Berlin der Dreißigerjahre, zu einer ungewöhnlichen Freundschaft und einer verbotenen Liebe, aber auch zu einer schrecklichen Schuld ...
Autor: 

Claire Winter studierte Literaturwissenschaften und arbeitete einige Jahre als Journalistin, bevor sie entschied, sich ganz dem Schreiben zu widmen. Sie liebt es, in fremde Welten einzutauchen, und hat schon immer eine Schwäche für die mystischen Landschaften Englands und Schottlands gehabt. Nach »Die Schwestern von Sherwood« ist »Die verbotene Zeit« ihr zweiter Roman im Diana Verlag. Die Autorin lebt heute in Berlin.  

Taschenbuch: 576 Seiten 
Verlag: Diana Verlag (13. Februar 2017) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3453359216 ISBN-13: 978-3453359215
Zu kaufen : http://amzn.to/2otaviV

Mein Eindruck :

Ich bin von der historischen Familiengeschichte begeistert. In mehreren Erzählsträngen taucht man als Leser immer tiefer in den Wirbel dieser spannenden Geschichte ein, die bis in das Berlin der Dreißigerjahre zurück führt und unerwarteteWendungen im Ablauf der Handlung beinhaltet.
Der Roman handelt von Carla, die durch einen schweren Autounfall ihre Erinnerungen an die Zeit kurz vor dem Unfall verloren hat und nun auf der Suche nach der Wahrheit ist. Was ist damals passiert - verschweigt ihr eigener Ehemann und auch ihr Vater etwas vor ihr und warum??? Welche Rolle spielt dabei der Journalist David Grant, der behauptet, dass sie auf  der Suche nach Spuren ihrer vor 16 Jahren verschwundenen Schwester war ? Warum reagiert ihre Mutter so hysterisch, wenn Carla sie nach einer Frau fragt, die ihre Mutter scheinbar gekannt hat und die nun von ihrem ehemaligen Freund gesucht wird ? Die Autorin nimmt den Leser mit in eine Zeit der Herrschaft der Faschisten in Deutschland, der Judenverfolgung und der Grausamkeiten des 2.Weltkrieges. Man lernt Menschen kennen, die den Mut finden, unter Einsatz ihres Lebens, die verfolgten Menschen zu unterstützen und es wird deutlich, wie wichtig gerade in dieser Zeit Freundschaft war. Der Autorin gelingt es sehr gut mit ihrer emotionalen Erzählweise den Leser in den Bann der Handlung zu ziehen und man bangt und hofft mit den handelnden Personen mit. Werden alle Fragen, die Carla bewegen gelöst ?
Ich kann diesen Roman nur jedem Leser empfehlen, der mehr über die damalige Zeit erfahren möchte und Liebhaber historischer Familiengeschichten ist. Spannende und berührende Lesestunden sind ihm gewiss.

Donnerstag, 6. April 2017

Rezension zu " Good as Gone" von Amy Gentry

Inhalt :
Tom und Anna haben das Schlimmste erlebt, was sich Eltern vorstellen können: Ihre 13-jährige Tochter Julie wurde entführt, alle Suchaktionen waren vergebens, die Polizei hat den Fall längst zu den Akten gelegt. Acht Jahre später taucht plötzlich eine junge Frau auf und behauptet, die vermisste Tochter zu sein. Die Familie kann ihr Glück kaum fassen. Doch schon bald spüren alle, dass die Geschichte der Verschwundenen nicht aufgeht. Anna hegt einen furchtbaren Verdacht. Sie macht sich auf die Suche nach der Wahrheit über die junge Frau, von der sie inständig hofft, dass es ihre Tochter ist, die ihr gleichzeitig aber auch fremd erscheint und das gesamte Familiengefüge gefährlich ins Wanken bringt …
Autor: 
Amy Gentry hat ihr Studium an der Universität von Chicago mit einem PhD abgeschlossen und lebt in Austin, Texas, wo sie englische Literatur an einer High School unterrichtet. Gleichzeitig arbeitet sie als freie Literaturkritikerin für die LA Review of Books und Chicago Tribune. Good as Gone ist ihr erster Roman, der noch vor Erscheinen für riesiges Aufsehen sorgte und in über 20 Länder verkauft wurde.  
Broschiert: 320 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann Verlag (27. Februar 2017) 
ISBN-10: 3570103234 
ISBN-13: 978-3570103234
zu kaufen:  http://amzn.to/2nHQ4v3

Mein Eindruck
Was kann Eltern am Schlimmsten passieren? Sie werden am Morgen wach und aus ihrem Haus wurde ihr Kind entführt...Diese Hölle erlebten Tom und Anna und noch dazu musste ihre jüngste Tochter die Entführung von einem Versteck aus, in das sie sich vor dem Eindringling geflüchtet hat, alles mit ansehen. Im Prolog erlebt der Leser diese Entführung mit und wird nun acht Jahre später mit der Situation der Familie vertraut gemacht, die zwischen Hoffen und Bangen schwebt und bei der sich jeder Gedanke um die entführte Tochter dreht. Durch den Blickwinkel der Mutter gesehen, gelingt es der Autorin sehr einfühlsam die Situation darzustellen, die durch die Ich- Erzählung in einigen Kapiteln noch vertieft wird. Die Beziehung zu ihrem Ehemann hat unter der Belastung des Verbrechens sehr gelitten und auch ihre jüngere Tochter, die inzwischen in einer anderen Stadt studiert, ist den Eltern gegenüber immer verschlossener geworden. Doch dann steht plötzlich nach 8 Jahren ein Mädchen vor der Tür - Julie, ihre entführte Tochter...Sie ist verändert, doch die Eltern glauben an dieses Wunder...bis eines Tages ein Privatdedektiv sich bei Anna meldet...Dadurch werden doch einige Zweifel geweckt...Ist dieses Mädchen wirklich ihre verschwundene Tochter?
Durch verschiedene Erzählperspektiven ist dieser Thriller atemberaubend, zwingt den Leser immer wieder zu neuen Vermutungen und bringt alles zu einem kaum vorraussehbaren Finale.
Mich hat die Erzählweise der Autorin von Anfang an gefesselt. Als Mutter kann ich mich total in die Ängste und Sorgen von Anna hineinversetzen. Die Schilderung der Erlebnisse des nach 8 Jahren aufgetauchten Mädchens sind sehr berührend, teils kaum auszuhalten....Man kann das Buch kaum aus der Hand legen, da man möglichst schnell, die Auflösung der vielen Rätsel dieses Falles als Leser erfahren möchte. Ein Buch, das viele Liebhaber guter Thriller interessieren wird. Ein Buch über die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind, die durch nichts in der Welt zerstört werden kann.